Die Geschichte der Wiesbadenbrücke

Die Geschichte von Wilhelmshaven ist eng mit der Entstehung und Entwicklung der preußischen und deutschen Marine verbunden.

Das Gebiet der Stadt Wilhelmshaven wurde am 20. Juli 1853 im Rahmen des Jade-Vertrages durch Preußen vom Großherzogtum Oldenburg erworben. Am 23. November 1854 übernahm die Preußische Marine das Gebiet und baute den ersten deutschen Kriegshafen an der Jade. Nach der Gründung des deutschen Kaiserreiches 1871 wurde Wilhelmshaven Reichskriegshafen und in den folgenden Jahren stark erweitert. Der Kanalhafen wurde verbreitert und erhielt auf seiner Nordseite einen Ausrüstungshafen. Außerdem wurde eine weitere Einfahrt mit einer größeren Schleuse gebaut.

Mit der Regentschaft des flottenbegeisterten Kaisers Wilhelm II. begann der Aufbau einer deutschen Hochseeflotte mit immer größeren Kampfschiffeinheiten und der entsprechenden Anpassung der Hafenanlagen und Schleusen. Durch die Verlegung der Außendeichlinie entstanden die neuen Hafenbecken und -anlagen des Großen Hafens, des Zwischenhafens und des Westhafens. Im Zuge dieses Bauabschnitts entstand unter anderem auch die Kaiser-Wilhelm-Brücke, die 3. Einfahrt und die heutige Wiesbadenbrücke.

1910 war die Wiesbadenbrücke eine zwischen dem Ems-Jade-Kanal und dem Großen Hafen gelegene offene Fläche, die als sogenannte „Kohlezunge“, auf der eine Bekohlungsanlage mit Lagern, Gleisen und Magazinen für Kreuzer und Torpedoboote der Kaiserlichen Marine lag. (Das heute unter Denkmalschutz stehende Badehaus für die Arbeiter ist noch erhalten). Während des Ersten Weltkrieges lagen an der Kohlezunge alte Kriegsschiffe, die als Gefangenenlager dienten.

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Das Ende des 1. Weltkrieges 1918 mit den Auflagen zur Abrüstung und Reduzierung der Marine setzten dem Ausbau des Hafens zunächst ein Ende. Die Kohlezunge wurde nach dem Krieg am 15.Juli 1937 in Wiesbadenbrücke umbenannt. (zum Gedenken an den kleinen Kreuzer „WIESBADEN“; am 31.05.1916 in der Skagerrakschlacht gesunken). In der Folgezeit siedelten sich auf dem Gelände Abwrackbetriebe an. Ab 1933 begann die Wiederaufrüstung der Wehrmacht und der deutschen Kriegsmarine und der weitere Ausbau der Hafen- und Werftanlagen in Wilhelmshaven. Die Wiesbadenbrücke erhielt zunächst Liegeplätze für dienstliche Segeljachten. Später wurden dann auch Stichbrücken und Liegeplätze für Schnell- und Räumboote geschaffen.

Bedingt durch den Kriegsausbruch 1939, wurden hier aber nie Schnellboote stationiert. Nach Kriegsende sammelten sich an der Wiesbadenbrücke alle noch intakten Schnellboote vor ihrer Auslieferung an die Siegermächte, dazu Torpedoboote und Zerstörer. Die bereits während des Zweiten Weltkrieges stark zerstörten militärischen Einrichtungen, Werft- und Kaianlagen, Docks und Schleusen wurden nach Kriegsende gesprengt, die Kriegsmarinewerft demontiert.

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Mit der deutschen Wiederbewaffnung und dem Aufbau der Bundesmarine wurde Wilhelmshaven 1956 wieder Marinehafen. Auf dem Gelände der ehemaligen Kriegsmarinewerft entstand das heutige Marinearsenal, 1968 im Heppenser Groden der Marinestützpunkt. Auch die Liegeplätze an der Wiesbadenbrücke wurden wieder instandgesetzt und ab 1956 für die übernommenen Minensuchboote genutzt. Später entstanden auch Liegeplätze für größere Einheiten. Ab 1959 bis zur Einweihung der 4. Einfahrt 1968 war die Wiesbadenbrücke Liegeplatz für das 4. Minensuchgeschwader, das 2. Landungsgeschwader und das 2. Schnellbootgeschwader (1958 – 1970).

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Seit 1962 ist die Magnetische Mess-Stelle der Marine am Kopfende der Brücke beheimatet. Sie ist eine Einrichtung zum Schutz von Marineschiffen gegen Minen mit Magnetzündern. Da es Europaweit nur zwei dieser Einrichtungen gibt, sind oft auch andere Nato-Staaten mit ihren Marine-Einheiten hier in Wilhelmshaven vertreten.

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Noch bis in die 80er Jahre lagen dort Einheiten der Reserve-Flotte der Marine. In den 90ern verließ sie (bis auf das kleine Areal der Mess-Stelle) dann endgültig diesen Standort, die Brücke verfiel zusehens. Die vorhandenen Gebäude sowie die Pontonanlagen (insgesamt 600 Meter Liegefläche) waren bis Ende 2006 ungenutzt und verwilderten.

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2007 hat die Interessengemeinschaft zur Erhaltung historischer Fahrzeuge e.V. das Gelände übernommen, die Fahrwege, Schwimmpontons, Grünanlagen, Beleuchtung und z.T. die Gebäude wieder hergerichtet. Im Rahmen des Hafenfestes „Wochenende an der Jade“ oder des überregionalen Oldtimer – Nutzfahrzeugtreffens nutzt die IEHF das Gelände um diese Oldtimer-Veranstaltungen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Da, bedingt durch die Hafenlage und die Anlegemöglichkeiten an den Pontons, auch große Schiffe an diesen Treffen teilnehmen können, ist die Einmaligkeit dieser Veranstaltungen in der Oldtimer-Szene Deutschlands bekannt.

Im Rahmen einer Nutzung des Großen Hafens für eine Wohnbebauung rückt allerdings auch die Wiesbadenbrücke ins Blickfeld der Stadtplanung. Man kann nur hoffen, dass bei den Überlegungen einer Bebauung der maritime Aspekt nicht zu kurz kommt!                                                                                                                                                                                                                                                                                                   

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